076 Wenn der Tierarzt kommt – und du dich selbst verlierst.
Shownotes
Was passiert mit dir, wenn dein Tier plötzlich krank ist? Wenn der Tierarzt kommt – und du merkst, wie du innerlich klein wirst, aufhörst zu denken und nur noch funktionierst?
In dieser Episode teile ich sehr persönliche Erfahrungen aus genau solchen Situationen. Nicht, um Tierärzt:innen zu kritisieren – sondern um sichtbar zu machen, was mit uns als Tierhalter:innen im Ausnahmezustand passiert.
Darum geht es in dieser Folge
warum viele Tierhalter:innen im Akutfall ihre eigene Wahrnehmung verlieren
wie Schuldgefühle, Angst und gesellschaftliche Erwartungen Entscheidungen beeinflussen
weshalb wir Verantwortung oft reflexartig abgeben, sobald „ein Profi“ kommt
warum dein Wissen über dein Tier unverzichtbar ist – auch (und gerade) im Notfall
wie sich deine innere Haltung direkt auf dein Tier überträgt
weshalb klare Entscheidungen vor dem Ernstfall so viel Ruhe bringen
wie du dem Tierarzt auf Augenhöhe begegnest, ohne in Widerstand oder Rechtfertigung zu gehen
Persönliche Einblicke
Ich erzähle von:
einer Situation, in der mein Pferd nicht mehr aufstehen konnte
einer vermeintlichen Kolik, die sich als massiver Stresszustand entpuppte
Entscheidungen, die ich für meine Tiere bewusst getroffen habe – und warum sie mir heute Sicherheit geben
dem Moment, in dem mir klar wurde: Nicht der Tierarzt nimmt mir die Verantwortung – ich gebe sie ab.
Einladung zur Reflexion
Diese Episode lädt dich ein, dir ehrlich folgende Fragen zu stellen:
Was willst du im Ernstfall für dein Tier – und was nicht?
Wo liegen deine persönlichen Grenzen?
Welche Entscheidungen möchtest du nicht im Stress, sondern in Ruhe treffen?
Wie möchtest du begleitet werden – und wie möchtest du begleiten?
Klarheit im Vorhinein verändert alles. Für dich. Und für dein Tier.
Unterstützung im Akutfall
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Darin zeige ich dir:
5 ausgewählte Akupressurpunkte zur Unterstützung deines Pferdes
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ein begleitendes Audio, das dir hilft, ruhig und präsent zu bleiben
Der Kurs ist kompakt, praxisnah und darauf ausgelegt, dich handlungsfähig statt panisch zu machen.
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Zum Mitnehmen
Du musst im Ernstfall nicht perfekt sein. Aber du darfst präsent bleiben. Und du darfst Entscheidungen treffen, die sich für dich und dein Tier stimmig anfühlen.
🎧 Hör rein – und nimm dir danach bewusst Zeit für deine eigenen Parameter.
Im Podcast empfohlene Episoden: 011 Ist Euthanasie wirklich der letzte Akt von Gnade? 012 Wie du dein tier (Hund) in den Tod begleiten kannst 013 Wie funktioniert Pferdehospiz 014 Was, wenn ich mein junges Pferd aufgrund von Schmerzen einschläfern muss
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Transkript anzeigen
Hufgeflüster – 076 Wenn der Tierarzt kommt – und du dich selbst verlierst
Das letzte Mal, als es meinem Pferd so richtig schlecht gegangen ist, war eine Situation, wo er nicht aufstehen konnte. Ich war damals alleine.
Habe natürlich den Tierarzt gerufen.
Und da ist schon beim Gespräch etwas passiert, das mir bis zu diesem Zeitpunkt jedes Mal bei einem Tierarzttermin im Endeffekt passiert ist.
Und zwar könnte man sagen, ich habe aufgehört zu denken.
Ich habe mich klein gemacht. Ich habe einfach nur funktioniert. Und das Schlimmste war:
Ich habe mein Pferd in dieser Situation komplett abgegeben – emotional, energetisch, verantwortlich.
Nicht, weil ich es nicht besser wusste, sondern weil ich in mir noch diesen Reflex hatte:
Jetzt kommt der Tierarzt. Ich bin raus.
Und genau darüber will ich heute sprechen. Über dieses Gefühl, wenn der Tierarzt kommt und du dich selbst verlierst.
Warum passiert das?
Wie gehe ich heute damit um?
Und was kannst du tun, damit du ruhig, klar und handlungsfähig bleibst – auch im Ausnahmezustand?
Denn eines ist klar:
Der Tierarzt ist natürlich unumgänglich mit all seinem Wissen. Deswegen rufen wir ja einen Tierarzt. Für das Wissen rufen wir den Tierarzt.
Aber der Tierarzt sieht dich und dein Pferd immer nur in einer Momentaufnahme.
Er hört, was du sagst. In dieser Ausnahmesituation macht sich dann sein Bild anhand von verschiedenen Dingen.
Du kennst aber dein Pferd.
In- und auswendig.
Du weißt, was typisch für ihn ist und was atypisch für ihn ist.
Und es ist ja irgendwie so, dass es ein gesellschaftliches Muster ist:
Wenn ein Profi kommt, geben wir die Verantwortung einfach ab.
Vielleicht haben wir dann auch noch eigene Schuldgefühle oder Angst.
Weil wir etwas falsch gemacht haben.
Oder weil wir ein schlechtes Gewissen haben, weil wir vielleicht zu spät reagiert haben.
Oder warum auch immer, was da im Kopf vorgeht.
Und wir sehen Ärzt:innen dann irgendwie als Götter. Als die Allwissenden.
Und das macht aber auch etwas mit der Energieübertragung des Pferdes.
Weil meinem Pferd ist es damals im Endeffekt schlechter gegangen, wie ich mich so aufgegeben habe.
Und ich habe dann noch Sachen machen lassen.
Und mein allererster Tierarzttermin – das war ganz schräg.
Da haben wir die Füße festgebunden, weil er sich so gewehrt hat und alles Mögliche.
Das sind so Sachen.
Die haben mich dazu geführt, dass ich darüber mal wirklich länger nachgedacht habe.
Und das hat in mir weitergearbeitet.
Und das hat jetzt diese Episode ausgelöst.
Und etwas, wozu ich dich jetzt gleich einlade – vielleicht heute noch oder am Wochenende:
Dass du dir wirklich überlegst.
Schriftlich.
Und dir Parameter setzt.
Was du eigentlich für dein Pferd willst.
Denn ein anderes Beispiel:
Das letzte Mal, als es einen krasseren Wetterumschwung im Frühling gab, wurde ich aus dem Stall angerufen.
„Dein Pferd hat Kolik. Es geht ihm ganz schlecht. Du musst sofort kommen.“
Und ich habe mir damals gedacht: Komisch.
Mein Pferd tendiert wirklich nicht zu klassischer Kolik.
Er ist eher nervös.
Der bekommt eher Durchfall, als dass er Verstopfung bekommt.
Und so, wie sich das geschildert hat, hat es sich nicht nach einer richtigen Darmumschlingung angehört.
Ich habe dann auch gleich auf die Kameras geschaut und mir gedacht: Na, das schaut nicht so aus.
Aber ich habe natürlich sofort alles zusammengepackt, jemanden informiert und bin rausgefahren.
Und dort angekommen wurde ich von den Reitkolleginnen empfangen – mit ganz viel Panik.
Und das hat in mir Panik ausgelöst.
Und ich habe damals schon – weil ich diese ganze Gedankenarbeit schon gemacht hatte – beschlossen:
Okay, ich klinke mich jetzt aus.
Ich habe mein Pferd geschnappt und bin mit ihm spazieren gegangen.
Einfach, um zu schauen, was Sache ist.
Er hat ziemlich schnell geäpfelt.
Und ich habe gesehen: Er hat seinen Bauch extrem angespannt und hochgezogen.
Was auf krampfende Muskeln hindeutet.
Aber ich hatte trotzdem das Gefühl: Das ist jetzt keine typische Kolik.
Unser Tierarzt wohnt sehr nah.
Ich habe entschieden, ihn noch nicht anzurufen.
Ich habe mir gedacht: Ich schaue mir das jetzt einmal an.
Dann habe ich gehört, dass die Ratschenkinder unterwegs waren.
Das ist so ein österreichisches Ding – Kinder mit extrem lauten Ratschen.
Und mein Pferd, der eher nervös ist, hat komplett die Nerven geschmissen.
Und da war für mich ganz klar:
Der hat seitdem die Ratschenkinder das erste Mal unterwegs waren sicher nichts gefressen.
Er hat sich körperlich extrem angespannt.
Die Angst ist komplett nach innen gegangen.
Deswegen war der ganze Bauch so angespannt.
Und ich habe gesagt: Okay, wir bringen jetzt ganz viel Ruhe rein.
Ich habe mit Akupressur unterstützt.
Und geschaut, dass er frisst.
Ich war sicher fünf Stunden mit ihm beschäftigt.
Und dann war es wirklich so, dass der Bauch locker war.
Alles war wieder gut.
Jetzt stell dir aber vor, ich hätte da sofort den Tierarzt gerufen.
Bei uns in der Gegend bedeutet das oft: Klinik.
Für mein nervöses Pferd hätte das sehr wahrscheinlich eine echte Kolik ausgelöst.
Nicht, dass ich sage, man soll in solchen Situationen keinen Tierarzt rufen.
Aber warum ich dir das erzähle, ist:
Ich habe für mich ganz klar Entscheidungen getroffen.
Was ich für mein Pferd mache.
Und was nicht.
Zum Beispiel kommt für mich persönlich keine Kolik-OP infrage.
Das ist etwas, das ich für mich entschieden habe.
Nicht, um zu triggern.
Sondern weil ich einfach weiß:
Das würde ich meinem Pferd nicht antun.
Diese Entscheidung habe ich schon getroffen.
Und das lässt mich ruhig in solche Situationen gehen.
Weil ich genau weiß:
Darum bitte ich den Tierarzt.
Und ab da sage ich Nein.
Das mache ich nicht.
Genauso war es auch bei meiner Katze.
Vor zwei Jahren ging es ihr sehr schlecht.
Sie hat nichts mehr gefressen.
Wir haben sie komplett durchchecken lassen.
Der Tierarzt hat nichts gefunden.
Die letzte Überlegung wäre ein MRT gewesen.
Weil man einen Tumor oder Krebs nicht ausschließen konnte.
Und auch damals bin ich in Ruhe in mich gegangen.
Und habe entschieden:
Nein.
Nicht aus finanziellen Gründen.
Aber ich merke, wie sehr man sich dafür rechtfertigen möchte.
Weil gesellschaftlich gilt:
Man macht alles für sein Tier.
Ich mache viel.
Aber nicht alles.
Und im Endeffekt will ich dir damit sagen:
Mach dir diese Gedanken im Vorhinein.
Wisse für dich ganz klar, was du in welchen Situationen willst.
Das bringt dir Ruhe.
Und diese Ruhe überträgt sich auf dein Tier.
Und scheiß drauf, was andere denken.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zeit zwischen dem Anruf beim Tierarzt und seinem Eintreffen.
Diese Zeit ist extrem wichtig.
Nutze sie, um dich innerlich zu sammeln.
Um die Hard Facts zu sortieren.
Ich habe früher am Telefon total ausgeholt.
Mit zu vielen Infos.
Heute mache ich mir Notizen.
Nicht, weil ich es besser weiß.
Sondern weil ich präsent bleiben will.
Ich achte bewusst auf meine Emotionen.
Manchmal gehe ich kurz weg.
Reguliere mich.
Und gehe dann ruhig zu meinem Tier zurück.
Und ja: Ich hole mir Hilfe.
Zum Beispiel beim Verladen.
Nicht, weil ich es nicht kann.
Sondern weil ich weiß, was für mein Pferd besser ist.
Und manchmal sage ich auch zum Tierarzt:
Danke, ich überlege kurz.
Ich entscheide nicht aus Panik.
Sondern aus Klarheit.
Denn am Ende trage ich die Verantwortung für mein Tier.
Und genau für diese Situationen gibt es den Mikrokurs „Sicher im Akutfall“.
Er unterstützt dich in der Wartezeit.
Damit du handlungsfähig bleibst.
Für dich.
Und für dein Tier.
Wir hören uns in zwei Wochen.
Bis dahin alles Liebe.
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